HistAK Neumarkt
Historischer Arbeitskreis Neumarkter Hochtal


2016-03-21

Die PÖLLAU - von Bergbau, Römern und Legenden

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Die Pöllau ist heute ein idyllisches Ausflugsziel mit hervorragender Bewirtung. Am ersten Blick kann man hier von  der bewegten Vergangenheit als Bergbauzentrum wenig erkennen. Doch bei genauerer Betrachtung gibt es viel Interessantes zu entdecken. So zeugen etwa das Knappenhaus,  und der am romantischen Weg zum Pöllauer Ursprung gelegene alte Hochofen, von der regen Bergbautätigkeit  bis ins 19. Jhdt.   Nicht zuletzt das zum Gasthaus Pöllauerhof gehörige, denkmalgeschützte Gehöft „Fritzengut“, das mit seiner über 600 jährigen Geschichte von der Betriebsamkeit  längst vergangener Tage erzählt.

Besonderes ErzKnappenhaus.jpg

Das in der Pöllau vorkommende, hochwertige  Erzgestein  aus Magnetit und Hämatit hat einen Eisengehalt  von über 70%. Paradoxerweise dürfte  gerade dieser Umstand das Ende des Bergbaus in der Pöllau bedeutet haben, da dies bei der Gewinnung des Eisens einen zu hohen Aufwand darstellte. Die besondere  Qualität  des Erzes  lässt auch die Spekulation zu, dass das Ferrum Noricum –ein in der Antike  hochgeschätztes Eisen mit Eigenschaften wie Stahl – auch aus der Pöllauer Gegend  stammen könnte.  Der prähistorische Bergbau in der Pöllau ist bis jetzt noch nicht (archäologisch) nachgewiesen, jedoch  gibt es viele Indizien für eine intensive Bergbautätigkeit zur Zeit der Römer und wahrscheinlich auch schon weit davor. 

Weihealtre.pngPrähistorischer Bergbau

Ein Indiz dafür sind die römischen Weihealtäre mit der Abbildung von  Zange und Fackel,  für eine wahrscheinlich lokale Bergbaugottheit namens Mibrico, die beim Straßenbau um Wildbad Einöd gefunden wurden.  Auch in den  beeindruckenden Altwegen von St. Stefan  über den Schratzbachgraben ins Königreich, wurden römische Steighilfen nachgewiesen. Die Theorie des prähistorischen Bergbaus in der Region lässt sich auch durch eine Pollenanalyse des Kohltrattenmoors, einem kleinen Feuchtgebiet zwischen Schloss Lind und Pöllau, stützen.  Diese zeigt  eine massive Entwaldung der Gegend von der späten Bronzezeit bis ins Frühmittelalter, wahrscheinlich verursacht  durch den Holzbedarf für die Verhüttung.

Von Slawen und früheren Völkern

Der Name Pöllau selbst leitet sich vom  slawischen Wort „Polje“ ab und bedeutet so viel wie  „Feld“ oder „Ebene“. So dürfte sich die Gegend im Frühmittelalter noch weitgehend waldfrei gezeigt haben. Auch spricht der Name für einen anderen, interessanten Umstand:  die Bergkuppen rund um die Pöllau,  heute großteils bewaldet,  sind weitgehend flach. Streufunde von frühzeitlicher Keramik über diverse Eisengegenstände, sowie imposante  Geländestufen, Wälle und Mauerreste deuten auch hier auf eine frühzeitliche Besiedlung hin.

Tllenlanzespitze.jpg
Legenden und mystische Plätze

Nicht zuletzt spiegelt sich die Bedeutung der Gegend in den Sagen und Mythen wieder. Die Grebenzen, von natürlichen Karsthöhlen und unzähligen Stollen durchzogen, gleicht  einem gigantischen Schweizer Käse.  Dieser Umstand regte schon von je her die Fantasien der Bevölkerung an. So steigt der Teufel im  Wilden Loch in die Unterwelt hinab, und manch seltsam gekleidetes „Mandl“  lockt ahnungslose Wanderer in die Untiefen der Höhlen, in denen die unermesslichen Schätze der norischen Könige verbogen sind.

Die Pöllau hat noch viele spannende Geschichten zu  erzählen und manch Rätsel der Vergangenheit wartet hier noch auf seine Entdeckung!

(Bild zeigt eine prähistorische Tüllenlanzenspitze, Streufund Region Pöllau)
Foto 1 und 2: Pöllau und Knappenhaus: © W. Lückl -Vielen DANK!

C. Fürnkranz

Admin - 15:03:46 @

"Die Geschichte wiederholt sich nicht, außer in den Gehirnen derer, die von Geschichte nichts wissen" 

Khalil Gibran

(1883 - 1931)  christlich-libanesischer Dichter, Philosoph und Maler, emigrierte in jungen Jahren in die USA. Sein Lebenswerk galt der Versöhnung der westlichen und arabischen Welt.