HistAK Neumarkt
Historischer Arbeitskreis Neumarkter Hochtal


2018-11-04

Totenkulte im Graslupptal

Skelette Karner.jpg

Oft sind die Grabmale der Verstorbenen die einzigen Zeugnisse vergangener Kulturen die Jahrhunderte oder Jahrtausende überdauern. Während Siedlungen und weltliche Bauwerke oft spurlos verschwunden sind, geben uns die letzten Ruhestätten einen kleinen Einblick in die ( Glaubens -) Welt der damaligen Bevölkerung.
 

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Eisenzeit
Die ältesten nachgewiesenen Bestattungen im Neumarkter Hochtal, sind die Reste der Grabhügeln am Linder Feld aus der älteren Eisenzeit (Hallstattzeit,  ca. 800 bis 450 v. Chr.) Die Totenstadt aus hunderten Grabhügeln erstreckt sich von St. Marein bis nach Tauchendorf, wo sich eine große stadtähnliche Siedlung befand. Skelette sucht man vergeblich. Die Toten wurden zu dieser Zeit verbrannt. Die Asche wurde zumeist an Ort und Stelle in einer Urne gesammelt und mit Grabbeigaben unter großen Erdhügeln bestattet.
Umfassungsgraben.jpgIn der jüngeren Eisenzeit wurden die Verstorbenen weniger spektakulär  begraben und ein Nachweis größerer Gräberfelder fehlt fast im gesamten Südostalpenraum. Einen wertvollen Hinweis für eine Bestattung aus der jüngeren Eisenzeit ( 450v Chr. – bis ca. Christi Geburt) am Linder Feld lieferte ein Keramikfragment aus der Latene-Zeit. Dieses wurde bei den Ausgrabungen 2017 neben einem hallstattzeitlichen Grabhügel gefunden. Wahrscheinlich nutze man die jahrhundertealte Totenstadt auch noch zu dieser Zeit für Bestattungen.

Römerzeit
Wesentlich prunkvoller wurden die Toten hingegen  in der Römerzeit bestattet. Die Überreste Ihrer Grabmonumente findet man als Spolien heute noch in und an vielen Kirchen im Neumarkter Hochtal. Machart und Grabinschriften der Römersteine geben einen Hinweis darauf, dass es sich um eine sehr wohlhabende norisch-römische Bevölkerung handelte. Die Gräber befanden sich in der Regel außerhalb der Orte und wurden entlang der Straßen angelegt. Eine Gräberstraße vermutet man bei Schloss Lind. Der zentrale Ort (Vicus) wurde bis heut noch nicht lokalisiert. Trauergenius.png
Auch zu dieser Zeit wurden die Toten hauptsächlich verbrannt.  Da man der Meinung war, dass die Verstorbenen die Geschicke der  Lebenden beeinflussten, war es wichtig die Ahnen  zu besänftigen. Mehrmals im Jahr besuchte man die Grabmale und feierte Feste bei den Gräbern. Aus dieser Zeit stammt eine Urne mit Kinderknochen vom nördliche Linder Feld (Nähe Mooshofer). Mit der Einführung des Christentums als Staatsreligion Ende des 4. Jhd. n. Chr. endet auch die Brandbestattung und begann der Übergang zu Körperbestattung. Kinderurne.jpg

Die  ersten  Christen begruben  ihre Toten zunächst  so,  wie  es  in ihrer  Umgebung  üblich war: nach  römischer  Sitte beerdigten  sie  ihre Verstorbenen  außerhalb  der Stadt  auf  großen Grabfeldern,  verzichteten aufgrund  ihrer  Jenseitsvorstellung aber auf das Mitgeben von wertvollen Grabbeigaben.

Spätantike  und Frühmittelalter Rmerstein_Reliquienschrein.jpg
Die Spätantike  und das frühe Mittelalter (ca. 6-10 Jhd. n.Chr.) scheinen in unserer Region besonders interessant zu sein und sind zugleich eine der geheimnisvollsten Zeiten unserer Vergangenheit. Anzunehmen ist, dass in der Region um Neumarkt romanisch- norische  Bevölkerungsgruppen die Wirren der Völkerwanderungszeit überdauert haben, und gemeinsam mit der heidnisch slawischen Bevölkerung unsere Gegend besiedelten.
Frmittelalterliche Besattung.jpgMit der Errichtung  von Schreinen für Reliquien in den ersten Gotteshäusern beginnt auch die Beisetzung der Toten in und um Kirchen. Man wollte den Überresten der Heiligen besonders Nahe sein. Ein schönes Bespiel eines frühchristlichen Reliquienschreins findet man in der Kirchenruine St. Georgen. Waren am Anfang die Beisetzung der Toten mit Schmuck,Trachtenbestandteilen und auch Dolchen noch üblich, fehlten die Beigaben später gänzlich. Eine Grabbeigabe in Form von kunstvoll verzierten Ohrringen fand sich bei der Ausgrabung einer frühmittelalterlichen Bestattung 2016 bei der Kirche Mariahof.

Mittelalter und Neuzeit Kirche und Karner St. Marein.jpg
Die Plätze in der Kirche waren Geistlichen und hohen Adeligen vorbehalten. Doch auch mit dieser Beschränkung reichte  der Raum  bald  nicht  mehr  aus und die Höfe um die Kirchen waren bald voll.  Ein Zuwachs in der Bevölkerung im 11. und 12 Jhd. machten die Einführung der Beinhäuser (Karner) notwendig.  Einer der ältesten Karner in unserer Region befindet sich neben de Kirche in St. Marein. Möglicherweise ist der Karner auch auf den Überresten der ursprünglichen Kirche errichtet worden. In besonders trockenen Jahren (Luftaufnahmen aus dem Jahr 2013) kann man Mauerreste, die unter der Erde liegen am Pflanzenwachstum erkennen. Luftaufnahem Kirche St Marein.jpg

Speziell an Nordseiten der Kirchen  kann man oft viele Kinderskelette finden. Skelette.jpgDie sogenannten Traufenkinder waren ungetaufte Kinder die man unter dem Kirchendach begrub. Man hatte die Vorstellung, dass das vom Kirchendach  herabrinnende Regenwasser sich zu geweihtem Wasser verwandelt, und dadurch  die dort begrabenen Kinder von der Erbsünde gereinigt werden. Über 50 Kinderskelette hat man bei der Ausgrabung der  Kirchenruine St. Georgen gefunden, die wie die anderen gefundenen Knochen wieder feierlich bestattet wurden. Auch bei den Grabungen neben der Kirche Mariahof kamen viele Kinderskelette zu Tage.

C. Fürnkranz
Fotos: HistAK Neumarkt oder mit Genehmigung der Urheber

Admin - 09:41:57 @ Archäologie | Kommentar hinzufügen

"Die Geschichte wiederholt sich nicht, außer in den Gehirnen derer, die von Geschichte nichts wissen" 

Khalil Gibran

(1883 - 1931)  christlich-libanesischer Dichter, Philosoph und Maler, emigrierte in jungen Jahren in die USA. Sein Lebenswerk galt der Versöhnung der westlichen und arabischen Welt.